Gute Er­nährung für ältere Men­schen in Corona-Zeiten

Frozen strawberries in a bag on the table
Welche Fer­tig­pro­dukte sind ge­eignet für die Er­nährung im Alter und welche sind eher zu meiden? Se­niorweb hat diese Frage Annina Pauli gestellt. 

Jetzt, da viele ältere Leute zu­hause bleiben, essen sie na­türlich auch daheim. Restaurant‑, Imbiss und Kaf­fee­be­suche fallen weg. Der Me­nüplan droht ein­tönig zu werden. Fer­tig­pro­dukte locken. Was darf bei äl­teren Men­schen auf den Tisch, was sollten sie meiden?
Annina Pauli: Wir un­ter­scheiden Fer­tig­pro­dukte wie Tief­kühl­pizza, Mi­kro­wel­len­la­sagne und kom­plette Fer­tig­menus von Con­ve­nience-Pro­dukten, also halb­fer­tigen Pro­dukten. Dazu ge­hören Do­sen­to­maten (Pelati), Tief­kühl­gemüse, ge­rü­stete Schnittsalate oder ge­kochter Randen. Beide Va­ri­anten sind kei­nes­falls grund­sätzlich schlecht. Be­sonders Men­schen, die sonst sehr ein­tönig kochen, können durch den Einsatz von Fertig- oder Halb­fer­tig­pro­dukten viel Ab­wechslung erreichen.

Es sind nicht ein­zelne Pro­dukte als schädlich zu be­ur­teilen, sondern al­len­falls be­stimmte In­halts­stoffe. Bei­spiels­weise Ni­trit­pö­kelsalz bei Fleisch­pro­dukten aus der Dose oder Zucker­sirup bei Frucht­kon­serven. Bei ge­wissen Fer­tig­pro­dukten ist der hohe Fett­anteil zu be­achten. Das gilt bei­spiels­weise für La­sagne, Pizza, pa­nierte Fleisch- oder Fisch­pro­dukte aber auch für Kä­se­ge­richte. Meine Emp­fehlung:  +/- 5 Gramm Fett pro 100 Gramm Fertiggericht.

Die va­ku­um­ver­packten Fer­tig­menus aus dem Kühl­regal der Gross­ver­teiler sind in der Regel von guter Qua­lität. Hier emp­fiehlt es sich, auf aus­rei­chend Ab­wechslung zu achten und Ge­richte ohne Ge­mü­se­beilage ent­spre­chend mit Gemüse, Salat oder einer Ge­mü­se­suppe zu ergänzen.

Was ist an Fer­tig­pro­dukten schädlich?
Vor allem der hohe Fett­anteil und die oftmals ge­ringe Fett­säu­ren­qua­lität. Zu­sätzlich weisen die viele Fertig- und Halb­fer­tig­pro­dukte (Spätzli, Ra­violi, La­sagne, Nu­del­ge­richte etc.) einen hohen Anteil an stark ver­ar­bei­tetem Weissmehl auf. Schädlich sind die meisten An­gebote nicht, aber sie ent­sprechen eben auch nicht der emp­foh­lenen Aus­ge­wo­genheit be­züglich Ge­mü­se­kom­po­nente.

Und welche sind eine wert­volle Er­gänzung des Me­nü­planes?
Con­vi­nience Pro­dukte (Halb­fer­tig­pro­dukte), wie To­ma­ten­sauce oder Pelati, ge­wa­schener Schnittsalat, Tief­kühl­gemüse, etc. eignen sich ideal, um ein schnelles Menü aus­ge­wogen zu ge­stalten, auch mit wenig Zeit oder Kochkenntnissen.

Wie oft in der Woche darf jemand auf Fer­tig­pro­dukte zu­greifen?
Mit den Con­vi­nience-Va­ri­anten lassen sich täglich aus­ge­wogene Menüs kre­ieren. Gute Bei­spiele dafür sind: ein Stück Wähe mit einem fertig ge­rü­steten Ge­mü­se­salat; Fertig-Rösti mit Spie­gelei und dazu Tief­kühl­gemüse; Ge­mü­se­suppe zum Er­wärmen, er­gänzt mit einem Stück Käse und einem Stück Voll­kornbrot; eine Portion Fer­ti­gra­violi mit ge­mischtem Salat; Por­ridge aus In­stan­t­ha­fer­flocken mit Kompott aus Tief­kühla­pri­kosen. Der Ver­ar­bei­tungsgrad macht den Un­ter­schied – weshalb kom­plett ver­zehr­fertige Ge­richte nicht täglich zu emp­fehlen sind. Ge­nerell kann gesagt werden: Je ver­ar­bei­teter ein Produkt, desto eher sind un­ge­eignete Zu­satz­stoffe in grös­seren Mengen enthalten.

Der Inhalt von Fer­tig­pro­dukten muss auf der Ver­packung de­kla­riert werden. Auf welche An­gaben ist zu achten?
Ist in hohen Mengen Salz, Zucker oder Fette ent­halten, sollte das Produkt eher ge­mieden werden. Leider geben die Nähr­wert­an­gaben aber keine Aus­kunft über den Anteil ent­hal­tener Vit­amine und Mi­ne­ral­stoffe. Die Zu­ta­ten­liste ist hin­gegen eine gute Ori­en­tie­rungs­hilfe: Was zuerst ge­nannt wird, ist zum grössten Anteil ent­halten, danach gilt die ab­stei­gende Rei­hen­folge. Stehen an erster oder an zweiter Stelle Weissmehl, tie­rische Fette oder Zucker, ist das Produkt als wenig ge­eignet zu beurteilen.

Por­tionen von Fer­tig­pro­dukten sind oft gross und nicht in einer Mahlzeit zu be­wäl­tigen. Wie lange darf man Reste be­halten? Darf man Reste ein­frieren und später essen?
Idea­ler­weise werden Reste in einem luft­dicht­ver­schliess­baren Gefäss ge­lagert. Ge­schieht der Wechsel in den Kühl­schrank gleich nach dem Aus­kühlen der Le­bens­mittel, bleiben sie dort 3 – 4 Tage ge­niessbar. Wer ent­spre­chende Boxen und ein Ge­frierfach hat, kann die Spei­se­resten selbst­ver­ständlich auch ge­frieren und zu einem spä­teren Zeit­punkt nach dem Tauen wieder erwärmen.

Wir leben im Zeit­alter der Ham­ster­käufe. Welche Fer­tig­pro­dukte soll ein äl­terer Mensch, wenn über­haupt, in grös­seren Mengen ein­kaufen?
Idea­ler­weise lassen ältere Men­schen den Einkauf von einer hel­fenden Person über­nehmen, so können Ham­ster­käufe ver­mieden werden. Grund­sätzlich ist Horten nämlich nicht not­wendig. Lassen Sie sich also nicht zu Käufen hin­reissen, von denen Sie denken, sie wären sinnvoll, ohne die Pro­dukte wirklich zu mögen. Wer einen Tief­kühler hat, sollte je einen Beutel tief­ge­fro­renes Gemüse (wie Erbsen, Bohnen, Brokkoli, etc.) und Früchte (wie Beeren, Apri­kosen, Zwetschgen, etc.) zu­hause lagern. Weiter ist ein Grund­stock an Hül­sen­früchten (bspw. eine Dose Linsen und Bor­lot­ti­bohnen) sinnvoll. Sie liefern nebst wert­vollen Koh­len­hy­draten re­le­vante Mengen an Ei­weiss und Nah­rungs­fasern. Bei den fri­scheren Pro­dukten sind eine Schachtel Eier, etwas Käse sowie die gut la­ger­baren Klas­siker Apfel, Ka­rotten und Zwiebeln sinn­volle An­schaf­fungen, um sich auf der si­cheren Seite zu fühlen. Was meiner Meinung nach, in Zeiten wie diesen, nicht fehlen sollte: Ner­ven­nahrung in Form von Scho­kolade oder ein paar feinen Guetzli.

Dieses In­terview ist auf «Se­niorweb» er­schienen. Es wurde von Jürg Bachmann geführt.

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Annina Pauli

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